ATELIER KAREN LAKAR
Karin Müller-Wohlfahrt
V E R L E B E N D I G U N G Begrüßung - Rede Ich begrüße alle sehr herzlich. Ihr und Sie sind zur Feier der Verlebendigung meiner Holzskulptur gekommen. Aus gestapelten Holzplanken von Buchen- und Lindenholz, habe ich einzelne Körperteile nach Schnittschablonen mit der Kettensäge ausgeschnitten und wie im Steckbausystem zusammengesetzt. Da Metall im menschlichen Körper heute nicht mehr fremd ist, hatte ich keine Hemmungen, ihr Gewindestangen durch den Körper zu bohren. Sie soll schließlich auch heftigsten Stürmen standhalten. Als die losen Körperteile gesammelt vor mir lagen, erinnerte ich mich an eine mythische Erzählung von der Skelettfrau, die verheddert in einer Angelschnur von einem Fischer an Land gezogen wird – so entstand ihr Kleid aus rotem Seil. Sie ist eine Figur, die erstehen, vergehen und neu werden kann. Sie wird zum Sinnbild für den ewigen Zyklus, der sich sowohl im physischen, wie auch im psychischen Bereich auf allen Ebenen vollzieht. Das Mitgefühl des Fischers, der der Skelettfrau ins Gesicht schaut, erweckte sie zu neuem Leben. So möchte ich heute durch die Erweckung aller Sinne mit der Musik von Lygia Campos die Holzfigur verlebendigen. Lygia ist Pianistin, Sängerin und Komponistin aus Rio de Janeiro. Mit ihrer Brazil Jazz World Music soll Sie die Holzfigur zu neuem Leben erwecken. Das farbige Licht begleitet den Vortrag. ROT Das Sexualchakra Anfang allen Lebens steht für die materielle Welt, das Verlangen, Gier und auch Verletzung ORANGE Vitalität, Freude, wie bei Sonnenaufgang, ist öffnend und positiv GELB Solarplexus ist die Stärke- das Durchsetzungsvermögen GRÜN Herzchakra, ist die Herzensliebe BLAU Die Verlebendigung nach Außen, das Kehlkopfchakra

08 HERR NIKOLETTI 2014 / Holz. Kamphora(Kopf), Kiefer (Körper) H:163cm T:50cm B:82cm

07 RUDIMENTE 2014 HOLZ:KAMPHORA H:97cm T:61cm B:117cm

06 BEWEGTE WELT 2014 HOLZ:KAMPHORA H:95cm T:35cm B:86cm

05 FEENKOPF Holz/2005/ 80 kg L: 90cm , B: 65 cm „Feenkopf“ Der Name Feenkrautbaum inspirierte mich zu diesem Holzobjekt Dieser Baum ist nur in Asien oder vereinzelt in Afrika zu finden . Der starke Duft führte mich zielgenau zu ihm ,in einem Holzlager im Tessin . Es war ein 4m langer Stamm von 1.30 m Länge ,den ich in 4 Teile zerlegte . Das Holz zeigte sich sehr zäh und grossfaserig ,sodass die Kettensäge mühevoll durchkam und den Einsatz der Motorsäge empfahl. Blind senkte sich das Sägeblatt in den Stumpf und ich zog innen die Form von einem Ei nach .Die Spuren sind erkennbar erhalten geblieben . Das Gesicht ist mit dem Schnitzmesser geboren . Wie eine schützende aufbrechende Schale lassen sich Haare assoziieren ,doch rollt das Ei zur Seite ,wird ein Vogelkopf sichtbar und es sind Schwingen die sich um den Kopf legen und eher das Gesicht zudecken möchten . Der Gesichtsausdruck verrät keine Emotion ,sondern lässt geschehen ,was geschehen soll . Der Vogel als Bewohner des Himmels, symbolisiert die Luftenergie und damit das höhere Bewusstsein. Betrachtungen zum Holz Jedes Holz hat eine eigene energetische Ausstrahlung, die im Menschen eine natürliche Resonanz hervorrufen kann. Daraus ergibt sich eine Seelenkommunikation. Die Seele des Baumes bleibt wie in einem Hologramm mit dem Holz verbunden und auch wenn das Holz geschnitten und der Baum vermeintlich tot ist . Bäume verbinden Körper, Seele und Geist sowie Himmel und Erde: jeder Baum drückt ein bestimtes geistiges Prinzip aus und transportiert Licht und Farbschwingungen die seinem Prinzip entsprechen: Das Holz ist parallel zur Entwicklung des Menschen gewachsen . Es hat die Ereignisse und Veränderungen die wir erlebt haben, miterlebt. Holz ist zeitgemäss und eng mit uns Menschen verbunden

2004 I Weide I H 60 cm I T 40 cm H 120cm I T 90cm Der innere Raum Die natürlichen Öffnungen der Baumhülle haben sich ergeben, indem die Astansätze abgesägt wurden. Dadurch ist der innere Raum mit dem äußeren Raum verbunden. Menschen, die sich in diese Baumhülle hineinstellen, erfahren die Ausdehnung des eigenen inneren Raumes. Je mehr man sich weitet, desto mehr öffnet man den inneren Raum nach Außen. Und im Außen begegne ich dem Anderen, und nehme seine Energie mit auf. Die innere Form Aus einem rohen Baumstumpf ist ein vollendetes Ei geworden. Ich habe mit der Kettensäge die innere Form gesucht, indem ich immer wieder von Neuem – ohne mathematische Berechnungen - das Sägeblatt in das Holz gesenkt habe. Nur mit dem Vertrauen, dass die Säge die Form findet.

02 Der innere Raum 2004/H 120cm I T 90cm

03 DIE INNERE FORM 2004/ H:60 cm T: 40 cm

01 SIE 1999 I Buche I H 240cm Wir gehen immer davon aus, dass der Tod uns etwas antut und wir gerade böswillig dem Leben entrissen werden. Doch tatsächlich nehmen wir nur eine andere Stofflichkeit an. Dieses erfahrbar und spürbar zu machen, ist mein Anliegen. Der Inhalt dieser Arbeit ist das Werden, Vergehen und Neuwerden. Deshalb habe ich das Material Holz gewählt .Das Material Holz symbolisiert für mich das Vergehen und Neuwerden als Teil des menschlichen, kreatürlichen und animalischen pflanzlichen Wesens. Die „Tod-Leben-Tod“-Natur bedeutet, dass der Tod ständig neues Leben in sich birgt. Mystische Frauenfiguren zeugen davon. Ein arche-typisches Vorbild wird durch Baba Yaga personifiziert und viele andere mehr: Mit dieser Holzfigur habe ich gleichzeitig ein Urbild geschaffen von weiblichen Kraft. Die Verdörrung, Austrocknung, und Erstarrung, die diese Holzfigur aus Buche und Linde darstellt, lässt die Fleischlosigkeit sichtbar und spürbar werden. Der Verlust an Lebendigkeit wird als Mangel erfahrbar. Die Schnürungen der Seile verstärken den Eindruck der Unfreiheit. Die Bewegung ist eingeschränkt. Die Kopflosigkeit symbolisiert die Gedankenlosigkeit und das mangelnde Bewusstsein im Umgang mit unserer Muttererde.

04 Traumkleid 2005 I L 59cm I H 102cm Der Körper ist das Kleid. Das Kleid ist der Körper. Körper und Kleid sind wie verwachsen. Das Kleid steht allein wie eine Kulisse, Hülle, Abtrabe, die dem Schönheitsideal der 50iger und 60iger Jahre des 20. Jahrhundert entspricht. Das Kleid ähnelt einer Erdbeere, in die man hineinbeißen möchte. Die Rückseite aber offenbart die Tortur die dahintersteckt. Einem Nagelbrett ähnlich, schrecken die Spitzen, das Innenfutter, ab in das Traumkleid hineinsteigen zu wollen.

PECCIA/ 2005

MOUGINS 2015