ATELIER KAREN LAKAR
Karin Müller-Wohlfahrt

FEUILLETON der RNZ  von Dienstag, 26.September 2017       Himmel und Abgrund
Karen Lakar im Museum Theó Kerg Schriesheim

Von Julia Behrens
Sie fliegen, schweben, stürzen: Die „Engel und Dämonen“ aus Karen Lakars gleichnamiger Ausstellung im Museum Théo Kerg in Schriesheim. Als abstrakte Geste, als Lichtschweif oder auch als menschliche Gestalt nehmen sie auf großformatigen Leinwänden Form an. Darüber hinaus sind sie als Skulpturen in Bronze, Stein und Papier fassbar. Dabei sind die Arbeiten in Stil und Farbigkeit vielseitig, was Lakar damit begründet, dass sie immer wieder zu neuen Ausdrucksformen findet und und so unterschiedliche Zyklen entstehen.

Die Werke bauen thematisch aufeinander auf und durchlaufen dann einen Prozess der Reduktion. Anschaulich lässt sich das an der Serie „Seraphin“ (2016) ablesen, in der die in München, Berlin und Südfrankreich tätige Künstlerin indirekt auf den Germanwings-Absturz von 2015 in den Alpen Bezug nimmt. Während die ersten beiden Bilder eine tumultartige Akkumulation von halb abstrakten, halb figurativen Elementen zeigen, deuten auf demdritten Gemälde nur noch einige tiefpinke Pinselschwünge, die an einen abgerissenen, gefederten Flügel erinnern, auf ein tragisches Geschehen hin.

Für Karen Lakar, die an der Hochschule der Künste in Berlin ursprünglich Modedesign studierte, stellen Engel, zu denen auch die „Seraphim“ zählen, wichtige Vermittler zwischen Himmel und Erde dar. In ihren Augen kommt die Dualität von Gut und Böse im Themenkreis der Engel, die nach Aussage der Künstlerin als Verkünder schicksalsträchtiger Nachrichten oder als „gefallene“ Himmelsboten nicht immer Gutes verheißen, besonders stark zum Ausdruck.

In ihren Werken findet dies eine Entsprechung in der Verwendung von hellen und dunklen Tönen und einem Spiel mit Licht und Schatten. Das ist auch in einem neuen Werkzyklus von 2017 der Fall, in dem sich die unterschiedlichen Kräfte in differenziertem Farbspiel messen. Hier erweitert die von östlicher Philosophie beeinflusste Künstlerin, die nebenbei die Frau des berühmten Sportmediziners Müller-Wohlfahrt ist, das Thema um die Darstellung übergeordneter Zusammenhänge. Dazu gehört auch die Skulptur „Fossil“ (2017), die als Hülle organischer Materie auf die Möglichkeit irdischen Seins als Durchgangsstadium hindeutet.

Doch selbst wenn man nicht an Engel, Dämonen oder die Reinkarnation glaubt, ist die Ausstellung spannend.

Info: „Engel und Dämonen. Karen Lakar“;
bis 5. 11. im Museum Théo Kerg,
Talstraße 52. www.kk-schriesheim       
  

RNZ  von Dienstag, 26.September 2017       Andeutungen von Flügeln und Verderben
Museum Théo Kerg eröffnete „Engel und Dämonen“ – Karen Lakars Werke bis 5. November zu sehen

Schriesheim. (mpt) Sie sind ewige Widersacher.   Metaphorische Boten für das Gute   und Böse, Abgesandte Gottes oder Herrscher   der Finsternis, ein ewiges Sinnbild   für Licht und Schatten. „Engel und Dämonen“  heißt die neue Sonderausstellung   der Künstlerin Karen Lakar, die am Sonntag   im Museum Théo Kerg eröffnet wurde.   Furchteinflößende Wesen und himmlische   Gestalten können einen beim Gang  über die knarrenden Dielen schon von der   Leinwand oder in Form von Skulpturen   entgegenblicken.
  
  Und schnell stellt Bürgermeister Hansjörg   Höfer bei seiner Begrüßung einen   Zeitbezug her. „Dämonen haben heutzutage   komische Frisuren“, witzelt er. Aber   es ist weniger die Weltpolitik um Donald   Trump oder Kim-Jong-un,sondern eher die   Faszination für das kosmische Wechselspiel,   die zarten Andeutungen von Flügeln   und Verderben, das die in München und   Mougins bei Nizza lebende Künstlerin Lakar   in ihren Werken festhält. Ein tragisches   Ereignis in Südfrankreich war Auslöser   für eines der Hauptwerke der Ausstellung,   mit dem der Besucher gleich im   Treppenhaus konfrontiert wird.
  
  Ähnlich einem Vulkanausbruch ist ein   Berg mit roter Farbe überzogen. Aber es   ist keine Lava, die an dem Gestein klebt,   sondern Blut. Als am 24. März 2015 ein   Flugzeug in den französischen Alpen zerschellte   und alle 150 Insassen in den Tod   riss, weilte Lakar nur knapp 200 Kilometer   entfernt in ihrem Zweitwohnsitz. „Von   Mougins aus kann ich die schneebedeckten   Berge sehen. Es hat mich tief berührt,   und ich musste mich einfach ausdrücken“,   sagt sie. Auf dem Gemälde  „Seraphim I“ sticht etwas metallisch   Schimmerndes hervor. Ob es sich um einen   Engelsflügel oder Flugzeugträger handelt,   liegt im Auge des Betrachters. „Ich wollte   dem Unglück mein Mitgefühl geben und   habe somit im wahrsten Sinne des Wortes   Anteil genommen.“
  
  Ansonsten aber werden ihre Werke weniger   konkret, sondern verweilen bewusst   in schemenhaften Andeutungen. „Die Innenschau   verändert die Sicht auf das Leben“,   sagt Kunsthistorikern Maria Lucia   Weigel bei ihrer Laudatio. Der Wert der   Kunst liege nun darin, das auszudrücken,   was auf rationaler Ebene nicht verstanden   werde. „Es ist ein Ringen um das Sichtbar-   werden-lassen der inneren Schau, das   auch mit Schmerz verbunden ist.“ Lakars   Werke lassen auch die kosmischen Dauerrivalen   Engel und Dämonen nicht als   Widerspruch zum Menschen und seiner   Erdverbundenheit erscheinen. Das wird   bei „Fundstück Engel“, „Geborgenheit“  oder „Das unbekannte Wesen“ deutlich.  „Alles hat seine Entsprechung. Es ist alles   ein Balancekat auf der Grenze zwischen   Gut und Böse“, so Lakar, die mit Hans-   Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Mannschaftsarzt   des deutschen Fußball-Nationalteams,   verheiratet und mit Museumsleiterin   Lynn Schöne seit 2001 befreundet ist.  „Es war schon seit geraumer Zeit mein   Wunsch, sie mal nach Schriesheim zu holen“,   freut sich Schöne. Die Ausstellung ist   noch bis 5. November zu sehen.

Schriesheim: Vernissage der Ausstellung "Engel und Dämonen" im Kerg-Museum
      
  Werke erlauben Blicke in Zwischenwelten

Die Eröffnung der Ausstellung "Engel und Dämonen" der  Münchner Künstlerin Karen Lakar, die bis zum 5. November im Kerg-Museum in   Schriesheim zu sehen ist, stieß bei den Kunstliebhabern der Region auf sehr  großes Interesse.
  In seiner Begrüßung dankte Bürgermeister Hansjörg Höfer der  Leiterin des Museums, Lynn Schoene, dafür, dass es ihr gelungen sei, diese   herausragende Künstlerin nach Schriesheim zu holen. Seine Frage nach dem   Zeitbezug der Ausstellung beantwortete er selbst mit einer Anspielung auf eine  bekannte Persönlichkeit: "Dämonen in unserer Welt haben eine komische  Frisur".
  Sie freue sich, dass es ihr gelungen sei, diese Ausnahmekünstlerin nach  Schriesheim zu holen, führte Lynn Schoene in die Ausstellung ein. Sie kenne  Lakar seit vielen Jahren und habe immer aufmerksam ihr Wirken verfolgt.
  In ihrer Laudatio hob die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel den   kosmischen Blick der Künstlerin auf Dinge heraus. Ihre großformatigen   Leinwandarbeiten, Gipsobjekte wie auch ihre ausgestellten Bronzeplastiken  erschließen Dimensionen zwischen Leben und Tod und lassen Blicke in  Zwischenwelten zu.
  
  Keine harmlosen Geister
  
  Getreu ihrem Motto "die Seele gibt dem Körper die  Form", versuche sie, das Unbewusste in ihren Werken zu manifestieren.  "Es ist ein Ringen um das Sichtbarwerdenlassen, das auch mit Schmerz  verbunden ist", nannte es die Kunsthistorikerin. Die Betrachter ihrer  Darstellung von Engel und Dämonen werden keineswegs mit harmlosen Geistern   konfrontiert, sondern mit Lichtgestalten, die mit gebrochenen und in Blut  getauchten Flügeln von ihren Kämpfen zurückkehren, jedoch nichts von ihrer  mystischen und majestätischen Energie eingebüßt haben.
  Weiter verweist die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel auf die   Trilogie "Seraphin". Diese Engel schweben in der christlichen  Tradition nah am Thron Gottes und sind von Liebe erfüllt. Diese Thematik nimmt   ebenfalls die dem Bild zur Seite gestellte Plastik auf, doch hier lodert die  Glut der Liebe nicht frei, was an den gestutzten Flügeln aus Palmblättern zu  sehen ist. Die Künstlerin bannt auf die Leinwand Lichtgestalten, die im Kampf  mit den dunklen Mächten auch unterliegen können, dennoch an Lebenskraft nichts einbüßen.
  
  Lakars Bilder lassen dem Betrachter viel Raum für Interpretation,  und das ist auch von der Künstlerin so gewollt. Die Ausstellung ist noch bis  zum 5. November im Kerg-Museum zu sehen.
  
  © Mannheimer Morgen, Dienstag, 26.09.2017
  Gerlinde Gregor



RNZ  von Samstag/Sonntag, 23./24.September 2017       Engel und Dämonen für innere Heilung
Karen Lakar verarbeitet Erlebtes und Emotionen durch Kunst – Bis 5. November im Museum Théo Kerg

Von Lotta Wellnitz
Schriesheim. Kunst liegt wahrlich im Auge des Betrachters. Während Skulpturen und Gemälde für den einen Ausdruck purer Emotionen sind, sehen andere vielleicht nicht mehr als bunte Farben oder entstellte Körper. Für Karen Lakar jedoch bedeutet Kunst Heilung für Seele und Körper. In ihren Gemälden und Skulpturen verarbeitet sie Geschehenes, kann sich so frei machen von dem, was sie beschäftigt.

Die in München und Frankreich lebende Künstlerin, mit bürgerlichem Namen Karin Müller-Wohlfahrt, ist vom morgigen Sonntag, 24. September, bis zum 5. November zu Gast im Museum Théo Kerg in Schriesheim. Die Ausstellung, bei der 13 Gemälde und elf Skulpturen gezeigt werden, trägt den Titel „Engel und Dämonen“.

Sie spielen im Leben von Karen Lakar eine große Rolle. Schon immer habe sie das Mystische fasziniert, sagt sie. Lakar studierte Modedesign an der Berliner Akademie der Künste, bestand ihr Examen mit Auszeichnung. Es folgten ein Spezialstudium in Theaterkostüm-Design, Tätigkeiten als Assistentin eines Bühnen- und Kostümbildners sowie mehrere Workshops im Bildhauen.

Glücklich gemacht habe sie das nicht, sagt sie. Lakar wollte ihre Kreativität richtig ausleben. Sie widmete sich der Philosophie, wagte einen Blick in ihr Inneres. Und dort habe sie „das größte Abenteuer“ gefunden, so Lakar. Genau das will sie mit ihrer Kunst ausdrücken. Warum aber genau das Thema „Engel und Dämonen“? Lakar glaubt an die Existenz der mystischen Wesen. Sie agierten zwischen Himmel und Erde, transportierten Gefühle, Inhalte und Stimmungen. Als Wesen der Vernunft entschieden sie über Leben und Tod. Und so sind ihre Werke zusätzlich geprägt vom Thema des Werdens und Vergehens. Darübe hinaus lässt die Künstlerin in den Gemälden und den Skulpturen den Balanceakt zwischen Gut und Böse, Leben und Tod einfließen. Diese Thematik sei aktuell wie schon lange nicht mehr.

Als Beispiel des Bösen führt sie das Thema Gier an. Es werde viel betrogen, vielen gehe es nur um materielle Dinge, so Lakar. Zudem geschehe viel Schreckliches auf der Welt. Als Beispiel führt sie einen Flugzeugabsturz an. Sie selbst hat in der Nähe des Unglücksorts ein Haus, war berührt und erschüttert. Ihre Therapie: ein Gemälde zu diesem Thema zu erschaffen. Auch die Pariser Anschläge hatten Auswirkungen auf ihre Kunst. Bevor es dazu kam, habe sie eine Vorahnung gehabt, sagt Lakar. Sie zeichnete dunkelrote Dämonen, habe gespürt, dass etwas Schlimmes passieren würde. Zu dieser Zeit war auch ihr Mann in Paris, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, langjähriger Mannschaftsarzt des FC Bayern München und der deutschen Fußballnationalelf. Er kam wohlbehalten zurück.

In seiner Praxis in München habe sie eine Ausstellung, ihre Werke schafften dort Atmosphäre, so Lakar. Sie wurden aber auch schon in Dubai und Pakistan ausgestellt. Und von Sonntag an in Schriesheim. Im Museum Théo Kerg gefalle ihr die Gesamtsituation, der Kontrast des Gebäudes. Man sehe, wie Bilder einen Raum verändern, sagt Lakar. Und fügt hinzu, dass jeder ein Bild mit seinen eigenen Erfahrungen anders sieht.

Info: Vernissage „Engel und Dämonen“, Sonntag, 24. September, 11 Uhr, Museum Théo Kerg.
Die Ausstellung ist mittwochs, 17 bis 19 Uhr, sowie samstags und sonntags, jeweils von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

Schriesheim: Kerg-Museum zeigt in seiner Herbstausstellung Skulpturen von Karen Lakar
      
  Am Wahlsonntag Engel und Dämonen 20. September 2017  

Es handelt sich zwar um den Tag der Bundestagswahl -   einen inhaltlichen Bezug weisen die Veranstalter aber natürlich von   sich: "Engel und Dämonen" lautet der Titel der Kunstausstellung, die am    kommenden Sonntag im Schriesheimer Museum Theo Kerg eröffnet wird. Bis   zum 5. November sind dort die Werke der in München lebenden Künstlerin   Karen Lakar (Bild) zu sehen.

Gezeigt werden Bilder   und vor allem Skulpturen. Gleich am Eingang etwa ein 2,40 Meter großer   Engel aus Bronze, der aus Naturkräften wie Wind, Wellen und Erde geformt   zu sein scheint und daher ein wenig dämonenhafte Züge trägt. Gleiches   gilt für die Bronzeskulptur "Archäologischer Fund", ebenfalls ein Engel   mit durchaus dämonenhaften Zügen.

Die Arbeiten der   Künstlerin sind geprägt vom schmalen Grat zwischen Gut und Böse, Leben   und Tod, Werden und Vergehen, Vergangenheit und Zukunft. Und diese   Thematik ist nach Ansicht der Künstlerin gerade derzeit aktuell wie   lange nicht mehr.

Museumsleiterin   Lynn Schoene berichtet: "Karen Lakar sagt über sich selbst, dass das   Leiden an dieser Welt, die eine erneute Eskalation chaotischer Kräfte   erlebt, ihre Arbeit in Skulptur und Malerei notwendig macht, um das   eigene seelische Überleben zu sichern."

Karen Lakar   wurde im Rheinland geboren, studierte an der Berliner Akademie der   Künste Modedesign und bestand ihr Examen mit Auszeichnung. Dem folgte   ein Spezialstudium in Theaterkostüm-Design. Nach Tätigkeit als   Assistentin eines Bühnen- und Kostümbildners ist sie freiberuflich als   Designerin mit eigenem Studio in München tätig.

In   den 1990er-Jahren entwickelte sich ihr künstlerisches Schaffen; sie   besuchte die Werkstatt für Bildhauerei und Gestaltung in München sowie   mehrere Workshops im Bildhauern mit Kalksandstein und Marmor.

Seit   2001 stellt sie aus - in Foren großer Unternehmen von Mercedes bis   Kaufhof sowie in Galerien zwischen Zürich und Dubai. Und nun in   Schriesheim. -tin

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 20.09.2017